Traumdeutung mit den Lenormand Karten – ein Praxisbeispiel

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In dem heutigen Artikel möchte ich ein Thema aufgreifen, das bisher in diesem Blog noch nicht zur Sprache gekommen ist, das aber überaus faszinierend sein kann und sich auch hervorragend für die Analyse mit den Lenormand Karten eignet. Ich spreche von der Traumdeutung.

Der Mensch durchlebt jede Nacht mehrere Traumphasen und viele können sich auch nach dem Aufwachen noch mehr oder weniger genau an die manchmal bizarren Erlebnisse erinnern, die sich im Kopf abgespielt haben. Auch wenn es in der Wissenschaft sehr unterschiedliche Meinungen darüber gibt, wie Träume entstehen und welche Bedeutung sie haben, so werden mir doch die meisten intuitiv darin zustimmen, dass ein Traum mehr ist, als nur das Ergebnis einer zufälligen Aktivität einiger Nervenzellen im Gehirn des Träumenden.

Was nachts im Kopf passiert, ist ein zielgerichteter Vorgang, bei dem die Gefühle und Instinkte des Menschen aufgedeckt werden. Vieles von dem, was uns auf einer tiefen emotionalen Ebene beschäftigt, wird während des Tages oft durch fehlende Achtsamkeit gar nicht wahrgenommen, aber auch manchmal einfach rational weg erklärt oder sogar bewusst verdrängt. In der Nacht, wenn unser Ego und die Vernunft pausieren, dann brechen sich die Gefühle ungefiltert Bahn und wir erhaschen einen Blick auf unser Unterbewusstsein, ungestört vom rationalen Einfluss des Egos.

Dabei können Informationen zu Tage treten, von denen man gar nicht wusste, dass man sie überhaupt in sich hat. Auf seelischer Ebene ist alles mit allem verbunden und so ist man theoretisch auch in der Lage Zugang zu jeder Information zu erhalten, die man sich nur vorstellen kann. Bei den meisten Menschen wird dieser Vorgang blockiert, aber im Traum gelangen diese vor unserem Ego versteckten Informationen dann manchmal doch bis ins Bewusstsein. Die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen prophetischer Träume, die Menschen vor Schaden bewahrt haben oder von Erfindern, die die Lösungen für komplizierte technische Probleme in ihren Träumen gefunden haben.

Das Gehirn, das auch im Wachzustand schon unermüdlich daran arbeitet, aus den eintreffenden Informationen ein plausibles Bild der Welt zu formen, geht dieser Arbeit auch des Nachts weiter nach, nur eben ohne die zensierende Aufsicht des Egos. Es ist niemand mehr da, der künstliche Grenzen setzt, oder Vorstellungen davon hat, was möglich ist und was nicht. Es gibt weder gesellschaftliche Regeln, noch Naturgesetze, die nicht außer Kraft gesetzt werden könnten. Aus diesem Grund nehmen Träume oft bizarre Formen an, aber manchmal liefern sie dadurch auch kreative Lösungen für Probleme, die außerhalb unserer Vorstellungskraft im Wachzustand liegen.

Ob die Welt, wie wir sie wahrnehmen, bzw. wie sie unser Gehirn für uns konstruiert, im Wachzustand tatsächlich realer ist als im Schlafzustand, ist nicht so eindeutig zu beantworten, wie man auf den ersten Blick glauben mag, aber das ist ein anderes Thema, das ich hier nicht weiter ausführen möchte. Wenn wir den Traum in dem oben beschriebenen Sinne als Interpretation unserer ungefilterten Gefühle durch das Gehirn verstehen, bleibt das Problem, dass es eben eine Interpretation ist und keine klar definierte eindeutige Information, die wir mit unserem Ego direkt verwerten könnten. Die im Traum erlebten Geschichten stellen den Versuch des Gehirns dar, erlebten Gefühlen eine plausible Erklärung zu verleihen und um daraus für uns selbst eine Erkenntnis zu gewinnen, muss der Traum gedeutet werden.

Zu diesem Zweck werden häufig einzelne Symbole aus dem Traum herausgebrochen und mit wörterbuchartigen Erklärungen versehen. So würde man bspw. sagen, dass jemand der davon träumt von einem hohen Gebäude zu fallen, vielleicht Angst vor einem wirtschaftlichen oder sozialen Absturz hat. Oder jemand der von herausfallenden Zähnen träumt, sich unattraktiv fühlt. In Einzelfällen mag dies sogar zutreffend sein, aber dass diese Form der Traumdeutung selten zu tiefen Einsichten führt, ist naheliegend.

Die Lenormand Karten sind an dieser Stelle ein wunderbares Werkzeug, um die Symbolik eines Traumes zu entschlüsseln, denn sie basieren auf den gleichen Prinzipien, die auch unser Gehirn anwendet, um für den Träumenden eine Geschichte als Ausdruck einer bestimmten Information zu kreieren.

Wie man an die Deutung eines solchen Kartenbildes herangehen könnte, möchte ich mit dem folgenden Beispiel erläutern. Es geht dabei um eine Dame, für die ich ein Kartenbild auf ihren erst kürzlich erlebten Traum gelegt habe. Sie hat mir freundlicherweise die Erlaubnis gegeben, ihren Traum für diesen Artikel zu veröffentlichen und zu deuten.

Fragestellung: Welche Bedeutung hat der Traum?

Ich sitze mit meinem Lebensgefährten in einer Auto Werkstatt. Wir sitzen auf dem Boden, an die Wand gelehnt. Es ist eine bedrohliche Atmosphäre. Eine Freundin von uns steht in der Mitte des Raumes. Sie hat ein Feuerzeug in der Hand und zündet einen Lappen an, der an einem Seil von der Decke des Raumes hängt. Sie hat die klare Absicht die ganze Werkstatt zusammen mit uns beiden abzubrennen. Dann verlässt sie den Raum und schließt uns ein, damit wir nicht fliehen können. Mein Lebensgefährte sitzt teilnahmslos in der Ecke und fügt sich in sein Schicksal. Ich laufe im Raum umher, um einen Ausweg zu finden und sage ständig „wir müssen hier raus“. Der Raum füllt sich schon mit Rauch und ich entdecke, dass man die Tür an der unteren linken Ecke mit Kraft aufdrücken kann und sich so ein kleines Loch bildet, durch das man den Raum verlassen könnte. Mein Lebensgefährte will aber nicht raus und sagt, dass wir hier bleiben müssen. Ich will das aber nicht akzeptieren und verlasse den Raum alleine. Ich komme an eine große befahrene Straße und bemerke plötzlich, dass ich ein Schwert in der Hand halte. Ich habe den unbedingten Drang wegzurennen. In diesem Moment kommt unsere Freundin auf einem Motorroller die Straße entlang gefahren und entdeckt, dass ich entkommen bin. Ich renne weg und während ich gerade die Straße überquere, kommt ein Polizeiwagen um die Ecke, mit zwei Polizisten, die in dem Wagen sitzen. Ich sehe, dass sie auf mich zeigen. Ich renne weg, dann werde ich wach.

Oberflächlich betrachtet ist es nun natürlich so, dass wir in unseren Träumen sehr häufig die Dinge verarbeiten, die wir im Laufe der Wachzeit erleben und fühlen. Es werden die Erlebnisse der unmittelbaren Vergangenheit verarbeitet. Aktuell ist es offensichtlich so, dass die Corona-Krise den Alltag und das Denken vieler Menschen bestimmt. Die damit verbundene Reduzierung sozialer Kontakte macht einen starken Eindruck auf uns und natürlich findet sich dies auch in den eigenen Träumen wieder.

Betrachtet man sich nun den hier beschriebenen Traum, dann fallen natürlich sofort einige Parallelen zur aktuellen Situation ins Auge. Das Leben und die Gesundheit der Träumenden wird bedroht, was im weitesten Sinne der Bedrohung durch den Corona Virus entsprechen kann, die einem tagtäglich in allen Medien vor Augen geführt wird. Jemand verbietet ihr die Werkstatt zu verlassen, was der öffentlich verordneten Einschränkung der Bewegungsfreiheit entsprechen kann. Die Tatsache, dass der Raum, in dem sie sich befindet mit Feuer „angesteckt“ wird, ließe sich symbolisch mit der Gefahr einer „Ansteckung“ durch den Virus gleichsetzen. 

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Analogien, die man hier finden könnte und so lassen sich frappierende Ähnlichkeiten zwischen dem symbolischen Traumgeschehen und der erlebten Wirklichkeit erkennen. Im Sinne einer Deutung könnte man zu der Vermutung gelangen, dass vielleicht der Traum einfach nur ein Ausdruck der latenten Angst der Träumenden vor einer Ansteckung sein könnte und ihres Widerstandes gegen eine staatlich verordnete Einschränkung der Freiheit.

Meines Erachtens hat jeder Traum aber tatsächlich darüber hinaus eine viel tiefer gehende Bedeutung und eine konkrete Botschaft, die in den meisten Fällen nichts mit den unmittelbaren Erlebnissen des Träumenden zu tun hat, sondern mit grundsätzlichen Lebensfragen des Betroffenen. Die Träume werden sich entsprechend von Nacht zu Nacht stark unterscheiden, da jeweils die aktuellen Ereignisse des Tages zur Bildgebung herangezogen werden, aber die zugrundeliegende Aussage wird so lange die gleiche bleiben, wie das Thema im Leben des Träumenden akut bleibt.

Um dieser Botschaft auf den Grund zu gehen bedarf es einer tieferen Analyse, die ich hier mit Hilfe der Lenormand Karten versuche.

Die Deutung eines Traumes mit Hilfe der Lenormand Karten

1. Das Traumgeschehen aufschreiben

Zunächst schreibt man das Traumgeschehen so genau wie möglich auf und stellt fest, welche Symbole in dem Traum vorkommen. Man muss dabei nicht jede Kleinigkeit festhalten, aber insbesondere die Elemente, die mit einer emotionalen Reaktion verbunden sind, sollten notiert und als Traumsymbol festgestellt werden.

2. Die Traumsymbole zuordnen

Im nächsten Schritt werden die bedeutendsten Traumsymbole einzelnen Karten zugeordnet. Bei dem Traum der Fragestellerin habe ich, auch unter Verwendung der Mondnacht Lenormand Zusatzkarten, die folgenden Zuordnungen vorgenommen:

Dame (29) = Fragestellerin
Herr (28) = Partner der Fragestellerin
Schlange (7) = feuerlegende Freundin
Feuer (57) = das gelegte Feuer
Wolken (6) = die bedrohliche Atmosphäre
Waage (45) = die Polizei
Schlüssel (33) = die Tür oder der Türspalt, die Fluchtmöglichkeit
Schwert (67) = das Schwert, das die Träumende in der Hand hält
Haus (4) = der Werkstattraum, in dem das Feuer gelegt wird

3. Die festgelegten Karten dem Kartenstapel entnehmen

Da die festgelegten Symbole bei der Traumdeutung unbedingt im Kartenbild erscheinen sollten und ich in diesem Fall die normale Große Tafel auslegen wollte, und somit nur 36 von 70 möglichen Karten ausgelegt werden, habe ich diese 9 zugeordneten Karten zunächst aus dem Stapel entfernt und beiseite gelegt.

Sollten Sie bei Ihrer Kartenlegung keine Zusatzkarten verwenden, dann können Sie diesen und die folgenden Schritte überspringen. Mischen Sie einfach ganz normal die Karten und legen Sie sie in der Großen Tafel aus, entweder in der 8×4+4 Auslegung, wie hier geschehen, oder auch in der 9×4 Auslegung und fahren Sie dann mit Schritt 6 fort.

4. Die restlichen Karten ziehen

Die verbliebenen 61 Karten habe ich nun ausgiebig gemischt und verdeckt vor mir aufgefächert. Dann habe ich mit der linken Hand die restlichen 27 Karten gezogen, die nötig sind, um auf die Gesamtzahl von 36 Karten zu kommen, ohne sie dabei aufzudecken.

5. Die Große Tafel auslegen

Zuletzt nehme ich nun den Stapel mit den 27 gezogenen und den 9 festgelegten Karten, mische ihn und lege die Karten wie gewohnt zur Großen Tafel aus.

Das Ergebnis zeigte sich wie im folgenden Bild dargestellt.

BILD VERGRÖSSERN

6. Das Kartenbild deuten

Wenn das Kartenbild ausgelegt ist, beginnen Sie mit der Deutung. Die wichtigste Karte ist zunächst die 29, d.h. die Fragestellerin. Diese Karte ist der Signifikator für die Bedeutung des Traumes. Beginnen Sie mit dem Zirkel und deuten Sie dann nach und nach weitere mögliche Deutungsstränge.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse nehmen Sie als Basis, um der Reihe nach die genauere Bedeutung der einzelnen Traumsymbole zu ergründen, die Sie vor dem Auslegen festgelegt hatten. Sie gehen dabei in der gleichen Weise vor, wie bei der Karte 29.

Würden Sie, um in unserem Beispiel zu bleiben, die Bedeutung der Werkstatt im Traum untersuchen, dann würden Sie im Kartenbild zur Karte 4 gehen, dem Haus. Dort beginnen Sie ebenfalls mit dem Zirkel und ziehen ggf. weitere Deutungsstränge zur tieferen Analyse hinzu.

Wenn Sie alle festgelegten Karten durchgegangen sind, versuchen Sie eine konkrete Verbindung zu dem Traumgeschehen herzustellen und ein Fazit für die Bedeutung des Traumes für die Fragestellerin zu ziehen.

Die Beispieldeutung

Am besten lernt man immer durch Beispiele, deshalb können Sie sich meine Deutung dieses Traumes gleich im nächsten Artikel anschauen. Den besten Übungseffekt haben Sie aber, wenn Sie vorher selbst versuchen, obiges Kartenbild zu deuten. Sie können dann später Ihre Erkenntnisse mit meiner Deutung vergleichen.

Lenormand Kartenlegen mit System

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