Der Junge gehört zu den Zusatzkarten, die eine bestehende Lücke im klassischen Lenormand-System schließen. Während die Karte 13 – das Kind – in praktisch allen Lenormand Kartendecks als Mädchen dargestellt wird, fehlte bislang ein eigenständiges Symbol für das männliche Kind. Mit der Zusatzkarte 59 wird diese Differenzierung möglich. Doch der Junge ist weit mehr als nur ein geschlechtliches Gegenstück. Er verkörpert den aktiven Neuanfang, die Energie des Aufbruchs und die Initiative, aus der heraus etwas Neues entsteht. Wo das Mädchen für einen Neubeginn steht, der passiv entgegengenommen wird, drückt der Junge aus, dass Handlung gefragt ist – ein bewusster erster Schritt, ein Anfangen aus eigenem Antrieb.
Diese Zusatzkarte richtet den Blick auf Situationen, in denen etwas aktiv in Angriff genommen werden muss. Sie zeigt den Moment, in dem eine Entscheidung zum Handeln fällt, in dem jemand nicht abwartet, sondern losgeht, ausprobiert und beginnt. Der Junge ist kein fertiger Held, kein ausgereifter Plan und kein vollendetes Werk. Er ist der erste Impuls, das Zupacken, der Mut zum Anfangen – auch ohne die Sicherheit, dass alles gelingen wird. In ihm steckt die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, und die kindliche Unbekümmertheit, mit der man sich einer neuen Sache zuwendet, bevor Zweifel und Erfahrung das Zögern einleiten.
Doch wie jedes starke Symbol trägt auch der Junge seine Schattenseite in sich. Die Energie des Anfangens kann auch Unreife bedeuten. Nicht alles, was impulsiv begonnen wird, hat die nötige Substanz, um Bestand zu haben. Der Junge kann auf eine gewisse Naivität hinweisen, auf ein Handeln ohne Weitsicht oder auf den Wunsch, etwas zu beginnen, ohne die Konsequenzen vollständig zu überblicken. In ihm zeigt sich auch die noch nicht vollständig entwickelte Männlichkeit – ein Prozess der Reifung, der begonnen hat, aber noch nicht abgeschlossen ist. Diese Eigenschaft kann auf ungenutztes Potenzial aufmerksam machen, das entdeckt und entfaltet werden möchte.
Im Kern beschreibt der Junge einen Zustand des Aufbruchs und der Initiative. Er zeigt, dass etwas in Bewegung gesetzt wird, dass Energie fließt und ein Anfang gemacht ist. Dieser Anfang ist noch roh, ungeschliffen und voller Möglichkeiten. Er trägt Vertrauen in sich, aber auch Unselbständigkeit. Er ist mutig, aber unerfahren. Die Zusatzkarte Junge macht deutlich, dass Neues nur dort entstehen kann, wo jemand den ersten Schritt wagt. Sie fordert dazu auf, genau hinzusehen: Wo ist Initiative gefragt – und wo fehlt dem Begonnenen noch die Reife, um tragfähig zu werden?
Herleitung des Zusatzkarten Symbols Junge
Der Junge als Symbol knüpft zunächst an die universelle Erfahrung von Kindheit und Heranwachsen an. Jedes menschliche Leben beginnt mit einem Zustand des Werdens, in dem alles noch offen und ungeformt ist. Das Kind steht seit jeher für Neuanfang, Unschuld und das Versprechen einer ungeschriebenen Zukunft. Im klassischen Lenormand wird dieser Aspekt durch die Karte 13 – das Kind – abgedeckt. Die Einführung des Jungen als eigenständige Zusatzkarte ermöglicht nun eine entscheidende Differenzierung: die Unterscheidung zwischen einem passiven und einem aktiven Neuanfang.
Diese Unterscheidung greift auf ein grundlegendes Prinzip zurück, das in vielen symbolischen Systemen und Philosophien verankert ist – die Polarität von aktiver und empfangender Energie. Im Lenormand wird das Kind traditionell mit dem Neuen, dem Kleinen und dem Unschuldigen assoziiert. Durch die Aufteilung in Junge und Mädchen wird diese Bedeutung erweitert und präzisiert. Der Junge verkörpert dabei das aktive Prinzip: Er steht für den Impuls des Machens, für Initiative und Handlungsbereitschaft. Der Neuanfang, den er beschreibt, entsteht nicht von selbst, sondern wird bewusst herbeigeführt.
Die Symbolik des Jungen speist sich auch aus der Beobachtung kindlichen Verhaltens. Kinder, und insbesondere Jungen in ihrer archetypischen Darstellung, sind geprägt von Neugier, Bewegungsdrang und dem Wunsch, die Welt zu erkunden. Sie greifen zu, bevor sie fragen. Sie probieren aus, bevor sie nachdenken. Diese Eigenschaft macht den Jungen zu einem Sinnbild für unkompliziertes, direktes Handeln – für den Moment, in dem nicht mehr geplant, sondern getan wird. Die Unbeschwertheit, mit der ein Kind an eine neue Sache herangeht, zeigt sich im Jungen als natürliche Bereitschaft zum Risiko und zur Offenheit gegenüber dem Unbekannten.
Gleichzeitig trägt der Junge die Bedeutung der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung. Als Kind ist er per Definition noch nicht ausgereift. Seine Stärken – Spontaneität, Energie, Neugier – sind zugleich Ausdruck einer Unvollständigkeit. Er handelt schnell, aber nicht immer klug. Er beginnt vieles, bringt aber nicht alles zu Ende. In dieser Hinsicht verweist der Junge auf die noch nicht vollständig entwickelte männliche Seite einer Person, unabhängig vom Geschlecht. Er macht sichtbar, wo Potenzial vorhanden ist, das noch der Reifung bedarf, wo Fähigkeiten angelegt sind, die erst durch Erfahrung und Geduld ihre volle Kraft entfalten können.
In einem tieferen Sinn lässt sich der Junge als verkörperter Anfangsimpuls verstehen. Er zeigt, wie Energie mobilisiert wird, wie aus der Absicht eine Handlung und aus der Idee ein erster Schritt wird. Wo die Karte 13 im erweiterten Deck den passiven Neubeginn markiert – etwas, das einem zufällt oder geschenkt wird –, steht der Junge für den Neubeginn, der aktiv gewollt und gestaltet wird. Diese Qualität macht verständlich, warum der Junge im Lenormand als Zusatzkarte für aktiven Neuanfang, Initiative und sich entwickelnde Männlichkeit steht. Er verweist auf Situationen, in denen Handeln gefragt ist und Warten keine Option darstellt. Damit ist der Junge nicht nur ein Bild kindlicher Unschuld, sondern ein Symbol für den Mut zum Anfangen, die Kraft des ersten Schritts und die fruchtbare Spannung zwischen Impuls und Reife.
Stichworte für das Zusatzkarten Symbol Junge
Grundbedeutung
Aktiver Neuanfang, Initiative, männliches Kind
Weitere Bedeutungen
Etwas Neues aktiv in Angriff nehmen, Aufbruch, Handlungsbereitschaft, erster Schritt, Anfangen, Impuls, Zupacken, Ausprobieren, Entdeckungsdrang, Neugier, Bewegungsdrang, Unbekümmertheit, Offenheit, Spontaneität, Risikobereitschaft, etwas Kleines, etwas Neues, Kindheit, Vertrauen, Unselbständigkeit, Naivität, Unreife, Unschuld, Unerfahrenheit, unentwickelte Männlichkeit, Reifungsprozess, ungenutztes Potenzial, Veranlagung, sich entwickelnde Fähigkeiten, Sohn, kleiner Bruder, junger Mann, Schüler, Lehrling, Anfänger
Personenkarte
Der Junge steht als Personenkarte für jemanden, der handlungsorientiert, spontan und voller Tatendrang ist. Diese Person ergreift Initiative, geht auf neue Situationen unbeschwert zu und scheut sich nicht vor dem Unbekannten. Sie ist neugierig, offen und bereit, Dinge auszuprobieren, ohne alles vorher bis ins Detail zu durchdenken. Gleichzeitig kann diese Person impulsiv, ungeduldig oder unreif wirken. Der Junge verkörpert einen Menschen, der lieber anfängt als abwartet, der Fehler in Kauf nimmt und aus dem Tun heraus lernt. Konkret kann der Junge auch für ein männliches Kind, einen Sohn, einen Schüler oder einen jungen Mann stehen.
Eigenschaft
aktiv, initiativ, neugierig, spontan, unbekümmert, mutig, impulsiv, ungeduldig, unerfahren, offen, direkt, tatendurstig, unbedarft, lernwillig
Körperlich
Wachstum, Entwicklung, körperliche Reifung, Bewegungsdrang, jugendliche Energie
Geistig
Entdeckergeist, Lernbereitschaft, Offenheit für Neues, Anfängergeist
Spirituell
Reinkarnation, der Beginn einer neuen Entwicklungsphase, die Seele als ewiger Lernender, karmisches Anfangen, unberührtes Potenzial, die Kraft des Beginns
Interessante Kombinationen der Karte Junge mit anderen Lenormand Symbolen
Junge und Reiter
Treffen Junge und Reiter zusammen, entsteht ein Bild von aktiver Bewegung und Neuigkeit. Der Reiter bringt eine Nachricht oder ein Ereignis, und der Junge reagiert darauf mit sofortiger Initiative. Diese Kombination weist häufig darauf hin, dass eine Neuigkeit oder ein Anstoß von außen den Impuls für einen aktiven Neubeginn liefert. Etwas kommt in Gang, und zwar schnell.
Positiv gelesen zeigt diese Verbindung den dynamischen Start eines neuen Vorhabens. Eine Information trifft ein und wird unmittelbar in Handlung umgesetzt. Es herrscht Aufbruchsstimmung, Tempo und die Bereitschaft, sofort loszulegen. Im Schatten kann die Kombination jedoch auch anzeigen, dass zu schnell gehandelt wird, dass eine Nachricht vorschnell aufgegriffen und ohne ausreichende Prüfung in die Tat umgesetzt wird. Die Energie ist hoch, aber die Besonnenheit fehlt.
Junge und Bär
Diese Kombination verbindet den aktiven Neuanfang mit der Thematik von Stärke, Führung und Autorität. Der Bär als Symbol für Kraft und Dominanz trifft auf die noch ungereifte, aber tatendurstige Energie des Jungen. Hier kann sich eine Konstellation zeigen, in der ein junger oder unerfahrener Mensch mit einer starken Autoritätsperson konfrontiert wird – etwa ein Lehrling mit seinem Meister, ein Sohn mit seinem Vater oder ein Neuling mit einer dominanten Führungsfigur.
Positiv gewendet steht diese Kombination für Wachstum unter starker Führung. Jemand lernt durch das Vorbild eines Stärkeren, wird gefördert und gefordert. Die Initiative des Jungen wird durch die Erfahrung und Kraft des Bären gelenkt und in produktive Bahnen gebracht. Im Schatten kann die Verbindung darauf hinweisen, dass die Initiative des Neuanfangs durch übermäßige Autorität oder Kontrolle unterdrückt wird oder dass jemand sich trotz eigener Stärke noch zu unsicher fühlt, um selbst die Führung zu übernehmen.
Junge und Sterne
In Verbindung mit den Sternen erhält die Initiative des Jungen eine tiefere, geistige Dimension. Die Sterne stehen für Orientierung, Klarheit und höhere Bestimmung. Zusammen mit dem Jungen entsteht ein Bild, in dem ein aktiver Neuanfang von innerer Gewissheit oder einer klaren Vision getragen wird. Diese Kombination weist darauf hin, dass der Impuls zum Handeln nicht aus einer Laune entsteht, sondern in Einklang mit einer größeren Ausrichtung steht.
Positiv gelesen zeigt diese Verbindung einen inspirierten Anfang. Jemand beginnt etwas Neues, weil ein tiefes inneres Wissen den Weg weist. Die Neugier und Offenheit des Jungen paart sich mit der Klarheit der Sterne zu einem Aufbruch, der sowohl mutig als auch sinnvoll ist. Im Schatten kann die Kombination auf unrealistische Ideale hinweisen, auf einen Neuanfang, der von Hoffnung und Wunschdenken getragen wird, dem aber die praktische Substanz fehlt, um am Boden Fuß zu fassen.
Abgrenzung der Karte Junge zu den klassischen Lenormand Symbolen
Junge und Kind
Die offensichtlichste Abgrenzung betrifft das klassische Kind, das im erweiterten Deck mit dem Jungen nun ein Gegenstück erhält. Beide Karten stehen für Neuanfang, Unschuld und etwas Neues. Der entscheidende Unterschied liegt in der Qualität des Neuanfangs. Das Kind (Mädchen) steht für einen passiven Neubeginn – etwas, das sich von selbst ergibt, das einem geschenkt oder zugetragen wird. Es beschreibt ein Anfangen ohne aktives Zutun, ein Empfangen von Neuem.
Der Junge hingegen beschreibt einen aktiven Neuanfang. Hier wird nicht gewartet, sondern gehandelt. Initiative ist gefragt, ein bewusster Schritt in eine neue Richtung. Während das Mädchen den Neuanfang empfängt, gestaltet der Junge ihn. Wo das Kind darauf hinweist, dass etwas Neues im Entstehen ist, fordert der Junge dazu auf, selbst den Anfang zu machen. In der Praxis der Kartenlegung ermöglicht diese Unterscheidung eine präzisere Aussage darüber, ob ein Neuanfang aus eigener Kraft herbeigeführt wird oder ob er sich aus den Umständen heraus entwickelt.
Junge und Reiter
Auch der Reiter steht für Neues und Anfänge, unterscheidet sich aber vom Jungen in einem wesentlichen Punkt. Der Reiter bringt etwas Neues von außen heran. Er ist der Bote, der Überbringer, der Anstoß. Seine Energie ist die der Ankunft und der Zustellung. Das Neue, das der Reiter mitbringt, kommt auf den Fragesteller zu, es ist ein äußeres Ereignis, eine Nachricht, eine Begegnung.
Der Junge hingegen beschreibt nicht das Eintreffen von Neuem, sondern das aktive Aufbrechen ins Neue. Er empfängt nicht, er handelt. Er wartet nicht auf eine Nachricht, sondern macht den ersten Schritt selbst. Während der Reiter den Impuls von außen symbolisiert, verkörpert der Junge den Impuls von innen. In einem Kartenbild kann die Unterscheidung entscheidend sein: Kommt etwas Neues auf mich zu (Reiter), oder muss ich selbst den Anfang machen (Junge)?
Junge und Störche
Die Störche stehen klassisch für Veränderung und Wandel. Auch hier besteht eine thematische Nähe zum Jungen, da jeder Neuanfang auch eine Veränderung beinhaltet. Der Unterschied liegt jedoch in Umfang und Charakter. Die Störche beschreiben einen Wandel, der bereits im Gange ist oder sich ankündigt. Sie verweisen auf Veränderungsprozesse, Umbrüche oder Verschiebungen, die oft größere Lebensbereiche betreffen. Die Störche verändern das Bestehende.
Der Junge hingegen beginnt etwas Neues. Er verändert nicht das Vorhandene, sondern setzt einen neuen Punkt. Sein Fokus liegt nicht auf dem Wandel des Alten, sondern auf dem Entstehen des Neuen. Während die Störche auf eine Phase des Übergangs hinweisen, markiert der Junge den Beginn von etwas, das vorher noch gar nicht existiert hat. Diese Unterscheidung ist in der Deutung bedeutsam: Die Störche wandeln, was ist – der Junge schafft, was noch nicht war.
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Die nächste Karte bei den Zusatzkarten
Lenormand Zusatzkarte Nr. 60 – der Tunnel

Grundbedeutung